10.000 Stunden? Im Ernst?

Wenn man etwas richtig gut können möchte, dann sollte man es ausreichend lange geübt haben. Das gilt gleichermaßen für einen Fliesenleger, wie für einen Bodenturner und natürlich auch für uns im Heimstudio.

Iss ja irre …

10.000 Stunden klingt natürlich erst mal unglaublich, aber umgerechnet entspricht das 1.250 Arbeitstagen (á 8 Stunden), also 3,5 Jahren. Zum Vergleich: eine normale Berufsausbildung braucht auch ungefähr 3 Jahre. Das relativiert einiges und soll auch nur sagen, dass man eben nicht sofort bei den richtig Guten mitreden und mitspielen kann, nur weil man schon mal über die erforderlichen Werkzeuge (DAWs, PlugIns, Audio-Interface, Rechner, Mikros, Preamps, etc.) verfügt. Auch ein Sebastian Vettel musste lange auf Gas und Bremse treten, bis er in der Königsklasse mitfahren und Weltmeister werden konnte.

Immer mit der Ruhe …

Aber da der Mensch nun mal von Natur aus ungeduldig ist, wirken 10.000 Stunden auf Anhieb nicht nur wie eine unüberwindbare Mauer, nein, sie halten sogar oft den eigentlich willigen Mix-Beginner komplett vom Start einer hoffnungsvollen Karriere im Musikgeschäft ab. Dabei sollte man den nötigen Zeitaufwand weniger wie eine Barriere, als mehr wie einen etwas längeren Weg betrachten und wie sagt der Volksmund doch so schön? „Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt!“

Learning by burning

Und das kann und muss man positiv betrachten, denn auf diesem Weg machen wir ja Musik! Wir erschaffen etwas aus dem Nichts, das es vorher nicht gab, einfach Kraft unserer Kreativität. Und das nötige Handwerkszeug eignen wir uns auf dem Weg genau so an, wie ein Kind seine Motorik entwickelt. Erst grob, dann feiner, dann lernt man laufen und malen und am Ende kann man sogar auf einem Drahtseil balancieren oder Bücher schreiben. Und so entwickelt sich auch im Studio die Qualität unserer Produktionen mit jeder Stunde, die wir investieren, immer weiter in Richtung „radiotaugliche Hitproduktion“.

Der Weg ist das Ziel!

Wenn man aber dann hin und wieder in den Rückspiegel schaut und sich noch mal die Produktionen von letztem Jahr anhört, oder von vor zwei Jahren, dann kann man sofort die eigene Entwicklung erkennen und hören, wie man sich weiterentwickelt hat. Das macht Mut, das gibt Selbstvertrauen und vor allem: das macht noch mehr Lust auf noch mehr Musik-Machen! Also, krempelt die Ärmel hoch, lasst Euch nicht abschrecken und lasst uns alle auf dem Weg das machen, was wir an unserem Hobby so lieben: gute Musik!

 

Auf und nieder, immer wieder: Dynamisches Delay

Delays (oder älteres Deutsch: Echos) sind ein tolle Sache. Speziell bei Vocals in vernünftigem Rahmen angewandt kann man mit Ihnen Tiefe und Räumlichkeit erzielen, die die Vocals erst richtig im Mix verankern und positionieren, aber ohne den gesamten Mix mit ständigem Hall zuzumüllen. Und speziell in Songs mit sehr dichtem Mix sind Delays in vielen Fällen deutlich besser geeignet, die räumlichen Informationen des Gesangs zu transportieren, als Hall.

Die Menge macht das Gift

Aber Vorsicht ist angesagt, denn gerade mit wirklich opulenten Delay-Fahnen kann man seinen Mix deutlich überfrachten und vom wichtigen Hauptsignal ablenken. Wie toll wäre es also, wenn man das Delay wirklich nur dann deutlich heraushört, wenn gerade nicht gesungen wird? Ist doch ganz easy sagen die Schlaumeier unter Euch und verweisen augenzwinkernd auf die Automation des Delay-Levels. Diese muss man händisch durchführen, ist sehr aufwendig, macht aber was sie soll!

Ja, aber …

Stimmt, aber eleganter ist das Ganze mit einem dynamischen Delay zu regeln. Dynamisch deswegen, weil die Lautstärke des Delays immer dann reduziert wird, wenn gerade gesungen wird, bzw. lauter wird, wenn eben nicht gesungen wird. Und auf dem Weg dahin treffen wir auch zwei alte Bekannte wieder: Sidechain und Compressor!

Das Prinzip ist schnell erklärt: Man kreiert einen Bus, den man mit dem zu bearbeitenden Signal bestückt, also zum Beispiel Kanal VOCALS sendet an den Bus VOCAL DELAY.  In den Bus lädt man nun ein Delay nach Wunsch und stellt es passend ein. In den nächsten PlugIn-Slot lädt man nun einen Sidechain-tauglichen Kompressor und weist ihm für den Sidechain-Eingang das Signal aus unserem Kanal VOCALS zu.

Eigentlich logisch

Was nun passiert ist so einfach wie logisch. Die VOCALS füttern das Delay, welches sein Signal wiederum an den folgenden Kompressor übergibt. Dieser komprimiert angewiesen von der Sidechain immer nur dann, wenn auf VOCALS gesungen wird – bingo!

Mit folgenden Grund-Einstellungen kann man beim Kompressor starten und dann Song-tauglich anpassen:

Ratio: 4 – 8 : 1, je nach Kompressions-Bedarf

Threshold: so, dass zwischen 6 und 10 db komprimiert wird

Attack/Release: passend zum Song und so, dass speziell das Release das Signal natürlich und unauffällig in den Mix zurückblendet.

So schnell kann´s gehen

Und schon sind wir am Ende unserer kurzen aber intensiven Reise und haben als Souvenir auch noch ein nun völlig automatisch funktionierendes Delay, das immer nur dann aufspielt, wenn es wirklich zu hören sein soll! Nachahmung unbedingt empfohlen 🙂

Vocals besser vorm Mix platzieren mit Sidechain-Kompression

Manchmal steckt einfach der Wurm drin und man kann machen was man will: die Vocals setzen sich einfach nicht genug gegen den Rest der Musik durch. Das passiert meist in sehr dichten Mixes mit frequenztechnisch eher breit angelegten Instrumenten wie zum Beispiel Synthesizern und (verzerrten) Gitarren. Aber was machen, wenn alle Kompressor- und EQ-Tricks nicht geholfen haben?

Von Autoscooter-Uwe lernen

Eigentlich muss während des Gesangs ja nur die Musik ein klein wenig leiser werden, damit man den Gesang etwas besser verstehen kann. Das ist wie auf der Kirmes: Wenn der Typ am Autoscooter spricht, ist die Musik ja auch leiser. Und dieses Prinzip funktioniert natürlich auch im Mix, nur ein wenig subtiler und der Schlüssel zum Glück lautet in diesem Fall Sidechain-Kompression!

Watt iss datt denn?

Ein Kompressor wird ja in der Regel durch das am Eingang anliegende Signal gesteuert. Jede Pegelspitze oberhalb des Threshold sorgt für eine Kompression des Gesamtsignals, also dafür, dass alles ein wenig leiser gemacht wird. (Keine Ahnung wovon ich rede? Dann schau mal hier nach: http://recording-blog.com/der-kompressor-das-unbekannte-wesen)

Und bei der Sidechain-Kompression ist das auch so, nur dass der Kompressor eben nicht durch das Eingangssignal, sondern durch ein beliebiges Signal gesteuert wird, dass an der Seite der Signalkette, also an der Sidechain anliegt. Und in unserem Fall soll dies der Gesang sein, der an der Sidechain anliegend die Lautstärke der Musik beeinflusst.

Stets gut vorbereitet

Damit das klappt, sollte das komplette Playback – also alle Instrumente – im Mischer getrennt von den Vocals auf einen eigenen Bus geroutet werden, in den wir nun den Kompressor laden, der idealerweise Sidechain-fähig ist. Diesem Kompressor teilt man nun noch mit, dass die Gesangsspur an der Sidechain anliegt. Die Ausgangslage der Einstellungen des Kompressors sollten dabei wie folgt lauten:

Moderate Ratio von 2:1, schnelles Attack. mittleres Release (damit die Pegelreduktion nicht zu offensichtlich pumpt) und kein MakeUp-Gain! Nun noch den Threshold so einstellen, dass das Sidechainsignal zu einer maximalen Pegelreduktion von -2 db führt und schon sind wir am Ziel.

Macht, was es soll

Es passiert also beim Abspielen nun Folgendes: Die Musik spielt in dem dafür vorgesehenen Bus und der darin laufende Kompressor reduziert den Pegel der Musik immer dann um bis zu 2 db, wenn die Vocals singen. Bis maximal -2db ist der Effekt so subtil, dass das Ohr die Lautstärkeschwankungen der Musik nicht wirklich wahrnimmt, da es ja gleichzeitig vom Gesang abgelenkt wird. Mit anderen Worten, der Gesang ist nun immer um 2 db lauter als die Musik und damit deutlich besser von der Musik wahrzunehmen!

Mr. Holzhammer oder der große Filigrani?

Zugegeben, es ist schon ziemlich brachial einfach das komplette Playback im Pegel zu reduzieren sobald der Gesang läuft und das funktioniert auch am besten, wenn eher mit längeren Noten und legato gesungen wird. Verfeinern kann man das Ganze aber durchaus, und zwar indem man nicht einfach das gesamte Material komprimiert, sondern nur den Frequenzbereich, in dem sich Gesang und andere Instrumente besonders in die Quere kommen – also grob alles zwischen 2 und 5 khz.

Viele viele bunte Bänder ….

Zu diesem Zweck nimmt man auch einen Kompressor, aber dieses mal einen Multibandkompressor, der im Gegensatz zum normalen Kompressor nicht immer das gesamte Signal, sondern auch nur einzelne Frequenzbänder des Signals komprimieren kann, während er die anderen Frequenzen unangetastet lässt. Und wenn er dann noch Sidechain-fähig ist, haben wir genau das was wir brauchen. Denn wir stellen nun im Multibandkompressor ein einzelnes Band ein, das den Bereich von ca 2 – 5 khz immer dann um 2 – 3 db komprimiert, wenn an der Sidechain der Gesang anliegt. Das hat den großen Vorteil, dass sowohl die Höhen als auch der Druck in den Bässen der Musik nicht angetastet werden, aber trotzdem im relevanten Frequenzbereich 2 – 3 db mehr „Luft“ für die Vocals ist!

Vorsicht ist die Mutter ….

Wichtig bei beiden Methoden ist, dass das Playback nicht zu offensichtlich und wahrnehmbar in der Lautstärke variiert und zu pumpen anfängt. Das ist in spezielle Musikstilen zwar durchaus gewünscht (z.B. wenn die Basssdrum über die Sidechain den gesamten Mix steuert), bei der oben genannten Zielsetzung ist aber eher ein subtileres Eingreifen des Kompressors gefragt. Vor allem, wenn man grundsätzlich schon mit seinem Mix zufrieden ist und den Vocals nur ein wenig mehr Raum verschaffen möchte. Ausprobieren ist also wie immer nicht nur ausdrücklich erlaubt, sondern auch dringend empfohlen!

Nützlich: 4 kleine Helfer im Heimstudio

Wenn wir über unser Studio und unsere Musik reden, geht es immer sofort um die großen, fast schon religiösen Fragen: Welche DAW benutzt du? Welche PlugIns? PlugIns von Drittanbietern oder reichen die mitgelieferten? Wie ist deine Raumakkustik und welche Boxen hast du? Die Liste lässt sich endlos weiterführen. Aber was ist mit den kleinen Dingen, die unseren Studio-Alltag ohne große Aufwand in nullkommanix erheblich erleichtern können? Das hier sind meine Top 4:

Kopfhörerhalter

Wer kennt das nicht? Du machst eine Aufnahme, stehst am Mikrofon und nach der Aufnahme willst du schnell zum Rechner um zu hören, was du so geträllert hast. Aber wohin mit dem Kopfhörer, wenn nicht auf den Boden? Hier kommt der überaus praktische Kopfhörerhalter für sage und schreibe 5 Euro ins Spiel, den man einfach am Stativ fest macht und der danach bereitwillig jeden Kopfhörer auffängt und für die nächste Session bereithält!

Ein Kopfhörerhalter hält den Kopfhörer immer griffbereit!
Nie wieder ohne: Der Kopfhörerhalter

Stimmgerät

Ein Hauptgrund für amateurhaften Sound bei Aufnahmen sind nicht oder nicht einheitlich gestimmte Saiteninstrumente. Immer wieder sehe ich eigentlich ganz gute Sänger bei Youtube, die aber ihre Instrumente nicht gestimmt haben und ich frage mich jedes mal: warum? An den Kosten für ein Stimmgerät kann es nicht liegen, denn auch hier sind 5 Euro der Einstieg für eine nicht nur gelungene, sondern vor allem eine sofort besser klingende Aufnahme.

Das Stimmgerät für Saiteninstrumente!
Ein Stimmgerät ist bei professionellen Aufnahmen unverzichtbar!

5 Cent-Münze

Ich weiß nicht, wie oft ich mich schon über fehlende Reduzierstücke in Mikrofonklemmen geärgert habe. Und ich weiß bis heute nicht, warum die Dinger immer noch nicht in meinem Garten wachsen. Aber ich weiß, dass irgendeine andere Klemme immer ein Reduzierstück hat und mit einer 5-Cent-Münze, die bei mir immer direkt am Monitor liegt, kriege ich diese ruckizucki gewechselt. Also besser nicht ausgeben, sondern einfach immer griffbereit platzieren und schon kann Euch ein fehlendes Reduzierstück nicht mehr punken!

Schnell ausgegeben, aber im Studio sehr nützlich: 5 Cent-Münze!
Mit 5 Cent bekommt man jedes Reduzierstück im handumdrehen gewechselt!

Klemmzwinge

Mein Geheimtip für ein aufgeräumtes Studio, denn immer wenn man ein aufgerolltes Kabel wegräumen oder mal eben zur Seite legen will, kommt die große Stunde der Klemmzwinge (sofern vorhanden). Einfach das Kabel mit der Klemmzwinge zusammenhalten und zum Beispiel an einer Tischkante, an einem Regalboden oder an der Fensterbank festklemmen und schwupps: das Kabel verdröselt sich beim Rumliegen nicht, ist keine Stolperfalle und vor allem ist es immer sauber aufgewickelt griffbereit. Man sollte immer genug Klemmzwingen zuhause haben und mit – Ihr erratet es schon – 5 Euro ist man für 4-5 Zwingen auch dabei 🙂

Klemmzwingen bringen jedes Kabel-Chaos in Ordnung!
Klemmzwingen können schnell für Ordnung im Kabel-Chaos des Studios sorgen!

Und Ihr so?

Welche kleinen Helfer vereinfachen denn Euren Studio-Alltag und sind unersetzlich geworden? Schreibt´s mir gerne in die Kommentare hier im Blog, bei Facebook in meiner neuen Gruppe oder bei Youtube, wo ich auch noch mal alle 4 kleinen Helferlein im Bewegtbild vorstelle.

 

Eigentlich kein Geheimtip: Mix mit Referenztiteln

Wer stellt sich schon gerne einem unfairen Vergleich? Man geht doch nicht freiwillig mit Usain Bolt auf die 100m-Sprintstrecke und lässt sich demütigen. Oder setzt sich in einen Sportwagen, um sich in einem Rennen mit Sebastian Vettel den „Hintern versohlen zu lassen“.

Erfolg ist mit den Mutigen

Und doch ist es genau das, was uns im Heimstudio auf den Weg zum Erfolg bringt: ein unfairer Vergleich. Wir sitzen viel zu oft auf unseren vier Buchstaben und Mischen und Mischen und Mischen ohne wirklich zu wissen, wo wir eigentlich rauskommen wollen. Wir haben zwar die ganzen tollen Songs unserer Helden im Hinterkopf, aber so richtig weiß keiner, wie er einen Track mischen soll, damit er auch nur annähernd wie Lenny Kravitz, Robin Schulz oder Coldplay klingt.

… wenn das Gute liegt so nah

Und hier kommt das Mischen mit Referenztracks ins Spiel. Denn letztlich passiert hier nichts anderes als der oben genannte unfaire Vergleich. Wir vergleichen nämlich unseren Mix mit einem bereits fertig gemasterten, erfolgreichen Song unserer Wahl. Dieser Song sollte im Idealfall sowohl vom Genre als auch von der Instrumentierung und vom Mix dem entsprechen, was wir uns von unserem Mix wünschen. Das ist aber nicht zwingend erforderlich, wenn man zum Beispiel nur den Snare-Sound von AC/DC super findet, der Song aber eher wie Cro klingen soll. Dann vergleicht man halt nur die Snare-Sounds, bis man am Ziel ist und nutzt ansonsten eine andere Referenz für den gesamten Mix.

Je schneller, desto gut

Das wichtigste beim Mixen mit Referenztiteln ist, dass man möglichst schnell zwischen dem Referenztitel und dem eigenen Mix umschalten kann, damit das Gehör und das Hirn wirkliche Unterschiede erkennen kann. Entweder macht man das über einen Monitor-Controller oder noch besser direkt in der DAW. Legt dazu als Erstes den Referenztitel  auf einen eigenen Stereo-Track, der parallel zu unserem  Mix abspielt. Parallel, aber bitte nicht gleichzeitig 😉

In der DAW ist dabei zu beachten, dass im Master-Bus keine Plugins wie zum Beispiel EQ, Compressor, Limiter oder ähnliches zu finden sind, da diese auch den Sound der Referenz beeinflussen würden. Am besten kann man seinen eigenen Mix auf einen dem Master vorgelagerten eigenen Mix-Bus leiten (alle Instrumente, Effekte, Vocals, etc.), auf dem dann am Schluss der Master-PlugIn-Kette auch der Limiter sitzt. Dieser ist wichtig, damit man seinen eigenen Mix auf ein ähnliches Lautstärke-Level heben kann, wie der Referenztitel. Denn sollte der eigene Mix nur leicht leiser klingen als die Referenz, gaukelt unser Gehirn uns direkt vor, er würde insgesamt schlechter klingen, auch wenn das vielleicht gar nicht der Fall ist!

Listen and repeat

Wenn man also nun den eigenen Mix über den neuen Mix-Bus auf den Masterfader schickt und den Referenztitel unbearbeitet direkt auf den Master-Fader, dann kann man per SOLO-Taste recht komfortabel zwischen den beiden Songs umschalten und sich bei jedem Hören auf ein spezielles Detail des Mixes konzentrieren, um es anschließend zu optimieren. Sei es Drum-Sound, Vocalsound, Effekte, allgemeine Lautstärkeverhältnisse, Bassverteilung, etc. .

Instant Karma

Noch mal: Der Vergleich mit dem erfolgreichen Lieblingssong wirkt anfangs unfair und es widerstrebt einem zutiefst, sich diesem auszusetzen. Aber wenn man sich erst mal getraut hat, profitiert der eigene Mix sofort und unmittelbar , denn erst wenn man  anhand eines Vergleichs beurteilen kann, wo der eigene Mix steht, sind die weiteren Schritte schnell und zielführend möglich. Und wie immer gilt: Viel Spaß beim Ausprobieren!

 

Kompressoren: Multitalent oder One-Trick-Pony?

Man kann die Frage auch umformulieren: Brauche ich Kompressoren von Drittanbietern? Und wenn ja, welchen? Betrachten wir es mal vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus:

Jede DAW bringt ein eigenes Kompressor-PlugIn mit. Ob Logic Pro X, Studio One 2/3, Cubase, Pro Tools und wie sie alle heißen. Und jedes PlugIn macht das, was es soll: Es komprimiert bei richtiger Anwendung zuverlässig jedes Audiosignal und bietet hierzu auch alle relevanten Parameter, also mindestens Threshold, Ratio, Attack, Release und (MakeUp-)Gain. Es gibt also erst mal keinen  Grund, in die PlugIn-Trickkiste der Drittanbieter zu greifen und Geld auszugeben nur um gut zu komprimieren.

Alles so schön bunt hier

Warum suggerieren uns die Drittanbieter also ständig, dass wir ohne deren einmaliges und unerreichtes PlugIn nicht richtig komprimieren können? Natürlich zunächst einmal, weil es ihr Job ist und sie damit ihr Geld verdienen. Aber anscheinend können diese Kompressoren ja doch irgendetwas, was die Standards nicht können.

OK, sie sehen meistens toll aus. Mal bunt, mal wie ein altehrwürdiges Hardware-Vorbild, mal viele Knöpfe, mal nur einer, mal idiotensicher, mal das „the-one-and-only“-Tool des Grammy-sammelnden Mixing-Gurus. All das und noch viel mehr. Aber letztendlich stillen Sie doch nur die Sehnsucht in uns, den Sound des letzten Charthits mit nur einem Klick hinzukriegen. Und soviel darf ich schon verraten: Diese PlugIns können wirklich etwas, aber DAS ist es nicht!

10.000 Stunden …

Denn auch der beste Mixer der Welt nutzt einen speziellen Kompressor nicht der Einfachheit halber oder weil er toll aussieht, sondern weil er den Sound und die spezielle Arbeitsweise dieses einen Kompressors nur (oder zumindest relativ einfach) mit PlugIn A hinbekommt, und eben nicht mit PlugIn B. Und warum weiß der Guru das? Weil er das schon sehr, sehr oft so gemacht hat. Er kennt das PlugIn und wählt es daher gezielt aus – genau wie der Gitarrist, der einen Marshall-Amp wählt, wenn er AC/DC spielen will und einen Fender Twin, wenn er einen tollen Cleansound mit dem schönsten Federhall ever haben will. Sicher sind diese Beispiele im unterschiedlichen Sound erheblich eindeutiger auszumachen, als beim Thema Kompression, denn der Soundeinfluss diverser Spezialplugins ist mitunter mit mehr als subtil zu bewerten. Aber auch viel kleine Steine sind die Grundlage eines ganzen Hauses und nicht nur ein dicker!

Volle Hütte

Trotzdem darf die Frage erlaubt sein, welchen Kompressor man wofür nutzt und zu diese Zweck kann man sich zum Vergleich mit dem vorhandenen PlugIn zumeist eine Probeversion bei den einschlägigen Anbietern runterladen und ausgiebig testen. Und dieses Angebot sollte man  auch ausgiebig nutzen. „Sollte“, denn auch ich falle immer wieder auf die schönen Werbeversprechen und Soundbeispiele herein – man gönnt sich ja sonst nichts. Aber oft setze ich das Plugin ein oder zweimal ein, freue mich, und bei der nächsten Produktion habe ich es wieder vergessen und greife behände zu meinen Standards. Und die kann ich in der Tat an einer Hand abzählen:

  1. Standard-Kompressor aus der DAW
  2. Universal Audio 1176 für Trommeln und Gesang und eigentlich fast alles
  3. LA2 oder LA3 für Bass
  4. SSL BUS-Kompressor auf ausgewählten Bussen
  5. Fairchild 670 im Masterbus

Warum?

Das soll keine Einkaufsliste sein, sondern das sind die PlugIns, mit denen ich die meiste Erfahrung habe und die ich am besten einschätzen kann, auch wenn ich bei jeder Produktion wieder etwas neues über die oben genannten dazulerne. Ich hab die 10.000 Stunden halt noch lange nicht voll …

 

Wieso, weshalb warum: Kompressor ???

Nachdem wir also letzte Woche die wichtigsten Einstellungen eines Kompressors nachvollzogen haben, gehe ich im heutigen Beitrag mal auf zwei Fragen ein, die man sich im Zusammenhang mit einem Kompressor immer stellen sollte: Brauche ich einen Kompressor und was erwarte ich von ihm?

Auf den ersten Blick

Ob man einen Kompressor benötigt, kann man im Idealfall schon daran erkennen, dass das Signal im Mix nicht konstant zu hören ist, manche Noten rausstechen, andere Noten untergehen und das Instrument insgesamt nicht durchgängig wahrnehmbar ist. Man kann es aber auch schon sehen, und zwar an der Wellenform des Signals. Denn stark unterschiedliche Ausschläge in der Wellenform verraten auch ein sehr dynamisches Signal und wenn man hier die Dynamik zugunsten der besseren Integrität im Mix ein wenig einschränken möchte, ist der Kompressor genau das richtige Werkzeug!

Learning by burning

Bei einem Equalizer weiß so ziemlich jeder, was passiert, wenn man eine Frequenz anhebt oder absenkt. Denn das Ergebnis ist relativ leicht zu hören und so kann man nach recht kurzer Einarbeitungszeit schon tolle Erfolge mit dem Einsatz eines EQ erzielen. Und letztendlich führt auch beim Kompressor kein anderer Weg wirklich ans Ziel! So gerne wie ich hier das absolut todsichere Einstellungsrezept geben würde, kann ich nur sagen: Geht raus, probiert rum und lernt was ein Kompressor macht, wenn man die einzelnen Parameter verdreht. Denn nur wenn man hört, erkennt und sich vor allem merkt, was ein Kompressor macht, kann man bei späteren Produktionen selbstbewusster und zielsicher die passende Einstellung eines Kompressors abrufen.

Ja,… oder Nein,.. oder Jain?

Das Wichtigste beim Benutzen eines Kompressors ist aber, dass man ihn nicht einfach reinlädt, weil man das halt so macht, sondern weil man damit etwas erzielen möchte! In der Regel sollte dies eine konstanterer Pegel des Signals sein, der sich anschließend deutlich leichter im Mix integrieren lässt. Und weil nach dem ganzen „Vorgeplänkel“ der Praxisteil sooo wichtig ist, kann ich heute mal nur auf das dazugehörige Video verweisen, denn hier drehe ich Regler und man hören, was sie machen. Also viel Spaß beim Anschauen, Hören und späteren Ausprobieren 🙂

Der Kompressor, das unbekannte Wesen

Ich stelle fest, dass ich mich immer noch mit gehörigem Respekt dem Thema Kompression nähere und immer wieder auf´s Neue lerne, wie man den Kompressor benutzt, oder auch, wo man ihn weglassen kann, weil man ihn nicht braucht oder eine simple Anhebung des Levels mehr bringt. Und weil man einen Angstgegner nur bezwingen kann, wenn man sich mit ihm stellt, ist dies also Teil 1 meiner kleinen Mini-Serie mit dem schönen Titel „Compressor Basics“. Da es hier zunächst aber um die Funktionsweise des Kompressors gehen soll, gibt es die praktischen Beispiele nächste Woche, jetzt aber erst mal rein ins kalte Wasser!

Da stellen wir uns mal ganz dumm …

Was ist also ein Kompressor? Am Einfachsten kann man den Kompressor wohl als einen automatischen Lautstärkeregler begreifen. Man teilt ihm einen gewissen Pegel mit, und alles was lauter ist, soll er bitte leiser machen. So kann man mit einem Kompressor also Ausreißer beim Pegel schnell einfangen, ohne dass man ständig mit der Hand selber nachregeln muss – das nenne ich mal praktisch!

Die fantastischen Vier

Mit Threshold, Ratio, Attack und Release sind die vier wichtigsten, aber auch verwirrendsten Parameter benannt, die beim Einstellen eines Kompressors in der Regel genutzt werden. Hinzu gesellt sich sich noch Gain (oder Makeup-Gain), der sich am Ende dieses Artikels sogar fast von selbst erklärt. Wenn man sich den Kompressor nun mal aus der Sicht des Signalflusses vornimmt, ist es schon gar nicht so kompliziert:

Auf die Plätze, fertig, los!

Das Signal kommt also im Kompressor an. Über den Threshold sagt man dem Kompressor zunächst einmal, bis zu welchem Pegel er gar nichts machen soll. Die meisten Kompressoren haben eine Anzeige für die Pegelreduktion (Gain-Reduction), die hier als sehr guter Anhaltspunkt dienen kann. Man wählt also eine aussagekräftige Stelle im Track und regelt den Threshold so weit herunter, bis die Anzeige irgendwas um 4 db Pegelreduktion anzeigt. Das ist natürlich nur ein Anhaltspunkt und hängt vom Ausgangsmaterial ab, ist aber ein guter Startpunkt.

Rationales

Als nächstes teilt man dem Kompressor über den Ratio-Regler (Kompressionsverhältnis) mit, wie stark das Signal, welches lautstärkemäßig oberhalb des Threshold liegt, zusammengestaucht (komprimiert) werden soll. Nehmen wir einen „Überschuss“ von zum Beispiel 4 db, so macht der Kompressor bei einer Ratio von 2:1 aus 4 db nur noch 2 db Überschuss, bei 4:1 sind es 1 db, bei 10:1 0,4 db und bei 20:1 nur noch 0,2 db! Man erkennt also sehr schön, wie man über die Ratio die Restdynamik des Signals steuern kann.

Attackeeeee

Nun kann man mit dem Attack-Regler einstellen, wie schnell der Kompressor das überschüssige Signal einbremsen soll. Man kann sehr schnelle Reaktionszeiten einstellen, wie zum Beispiel 0,1 ms (Millisekunden), die quasi jede noch so kleine Überschreitung des Threshold sofort komprimieren, man kann aber auch langsamere Zeiten (10 ms und mehr) einstellen, die zunächst einen Teil des lauteren Signals ungehindert passieren lassen, und dann erst komprimiert. Beides hat seinen Grund und seine Berechtigung und ist vom jeweiligen Signal abhängig.

Let it go ….

Bleibt noch die Release-Zeit. Diese gibt an, wie schnell der automatische Lautstärkeregler nach der Kompression wieder auf den ursprünglichen Level gestellt wird. Auch hier hat man die Wahl zwischen ultrakurzen Reaktionszeiten oder eher gemächlicheren Gangarten und wieder hängt beides vom Ausgangssignal ab. Als Beispiel sei hier aber mal eine in Vierteln gespielte Bassdrum genannt. Man sollte entsprechend dem Songtempo die Release-Zeit so einstellen, dass die Pegelreduktion kurz vor dem nächsten Kick wieder auf 0 steht. So erreicht man, dass jeder Schlag individuell komprimiert wird und ein gleichmäßiger Kick-Pegel aus dem Kompressor kommt.

Lauter oder leiser?

Und nun zur oft diskutierten Frage, ob ein Kompressor das Signal lauter oder leiser macht? Die Antwort ist wie so oft: Beides! Zunächst einmal fängt der Kompressor ja Pegelspitzen des Signals ab und reduziert damit die Lautstärke (und Dynamik) an diesen Stellen. Da aber nur das Signal oberhalb des Threshold reduziert wird und eben nicht das gesamt Material, bekommt man nun die Möglichkeit, den Gesamtpegel des Signals um die Menge anzuheben, um die die Pegelspitzen komprimiert wurden. Hierzu verwendet man den oben erwähnten Regler Gain (oder Makeup-Gain).

Ende gut, alles gut!

So kommt es, dass der Kompressor zwar zunächst die Spitzen des Signals leiser macht, man aber anschließend das Signal um genau diesen reduzierten Wert anheben kann. Damit werden vor allem die leiseren Passagen des Signals im Pegel angehoben und sind nicht nur besser hörbar, sondern die Spur ist damit insgesamt einfacher und mit einem konstanteren Pegel im Mix platzierbar – tolles Ding, so ein Kompressor!

Phasenweise Mono! Oder: Karaoke auf Knopfdruck

Manchmal möchte man sich aus erfolgreichen Produktionen eine Idee oder ein Lick „ausleihen“ – oder zumindest mal hören, wie sie es gespielt haben. Oder man fragt sich, welcher Hall auf dem Gesang oder dem Chor liegt, aber dieser geht einfach im Mix unter. Ist ja auch klar, wenn man ihn direkt hören würde, wäre der Mix wahrscheinlich komplett verbogen. Aber wie kommt man an diese geheimen Zutaten ohne ins Studio einzubrechen und sich die einzelnen Spuren solo anzuhören?

Der Magic-Stick

Eine Antwort ist so einfach wie banal, denn alles vorgenannte wird sich im Mix in der Regel im Stereo-Teil des Songs verstecken und dafür muss man ja eigentlich nur die Mono-Informationen „ausknipsen“. Aber wie? Zum Glück gibt es in Studio One 3 das oft unterschätzte Mixtool, das in diesem Fall fast schon zum Schweizer Messer wird!

Gewusst wie

Für dieses Beispiel ladet Euch einfach mal den Song Eurer Wahl auf eine Stereo-Spur und fügt dann das Mixtool hinzu. Der Song sollte mindestens ein hochwertiges mp3 sein, besser noch ein unkomprimiertes wav. Wenn Ihr jetzt abspielt, klingt der Song ganz normal. Im Mixtool schaltet Ihr nun bei einer Seite die Phase um (z.B. invert left).
SIDE_·_Inserts_·_1_-_MixtoolJetzt sollte der Song schon deutlich anders klingen. Schaltet den Masterbus mal von Stereo auf Mono um:

Studio_One_-_2016-02-17_Jonas_Wagner

Wie durch Zauberei sind alle Mono-Instrumente verschwunden und nur der Stereo-Rest bleibt übrig: Hall, Synthies, Overheads, Chöre, evntl. Gitarren, etc. – voilá!

Und andere DAW?

In Logic klappt das zum Beispiel auch, hier sogar noch etwas komfortabler mit dem Gain-Utility! Einfach in die Spur mit dem Original-Song reinladen, eine Seite in der Phase invertieren und den Mono-Knopf klicken – bingo!

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And in the end …

Jetzt kann man in Ruhe, oder zumindest deutlich besser hören, was vorher versteckt war und manche nehmen die so entstandene Spur sogar, um daraus nun eine Karaoke-Version zu erstellen. Ausprobieren ausdrücklich erlaubt 🙂

Quicktip Akkustikgitarre oder „Durch dick und dünn …“

Als ich neulich mal wieder eine schöne durchgeschlagene Rhythmus-Akkustikgitarre aufnehmen wollte, kam bei allen Testaufnahmen einfach nicht dieser schöne, percussive Sound aus der Gitarre, den ich im Kopf hatte. Egal, wie ich die Mikros aufstellte, welchen EQ ich bemühte oder sonstiges. Ich habe die Gitarre wie immer gespielt, aber nichts wollte funktionieren, bis mir durch Zufall in meiner Grabbelkiste – ich kann einfach nichts wegschmeißen – ein altes Plektrum von früher in die Hände viel.

„Those were the days my friend“

Nachdem ich fahle Erinnerungen an klägliche Auftritte in den Anfangsjahren mit einer Träne weggewischt hatte, fiel mir auf, wie dünn meine Plektren zu Beginn meiner Rocker-Karriere waren. Dagegen sind meine heutigen Picks echte Bretter mit ihren 1,2 mm Wandstärke. Ich habe sogar eins aus Metall und spiele gelegentlich mit einer Münze, weil ich es mag, ein direktes Feedback von den Saiten zu bekommen. Und jetzt dieses dünne, labbrige Etwas von früher …

Wer nicht wagt, …

Noch einmal Gitarre spielen wie früher dachte ich und fing an mit dem dünnen Plektrum de Saiten meiner Martin zu streicheln und sofort dachte ich „Wow, das war doch der Sound, den ich für die Aufnahmen gesucht habe“. Unaufdringlich, nicht zu aggressiv und mit einem schönen, percussiven Plektrum-Geräusch auf den Saiten. Also das Gegenteil von dem, was ich mit meinen normalen Picks so machen. Kurz die Gitarre eingestöpselt, aufgenommen und siehe da: Selbst über eine normale DI-Box bleibt der Charakter erhalten.

Was lernen wir daraus?

Manchmal vergisst man Sachen einfach im normalen Trott und ich wäre nicht auf die Idee mit dem Plektrum gekommen, wenn es mir nicht durch Zufall über den Weg gelaufen wäre. Aber so konnte ich ohne irgendein tolles Super-Duper-PlugIn oder eine Spezial-Mikrofonierungs-Technik ganz einfach den Sound bekommen, den ich wollte. Der Sound muss nämlich schon vor dem Mikro stimmen, nicht erst danach!